Einleitung

Was ist anthroposophische therapeutische Sprachgestaltung?

atS ist eine ganzheitliche Therapieform: Zum Sprechen brauchen wir unseren Verstand, den Körper und das Gefühl.

RZ ATS GANZHEITLICH


Verstand

Anthroposophische therapeutische Sprachgestaltung arbeitet mit Übungen zur Verbesserung der Stimme, der Artikulation, der Atmung und der Bewegungsfähigkeit. Mit Texten wie Geschichten und Gedichten, Balladen und Ausschnitten aus Theaterstücken tauchen Sie ein ins Reich der Sprache und finden, dass diese nach innen und nach aussen wirkt. Dabei stehen Erleben und Einverleiben im Mittelpunkt der Therapie und wecken Freude am eigenen Körper, der Kommunikationsfähigkeit und dem Selbstausdruck.

Körper

Der Körper hat durch die Haltung grossen Einfluss auf Atmung und Stimme. Schmerzen, verkrampfte Muskeln oder Fehlhaltungen erschweren gesundes Sprechen. atS-Therapeut*innen helfen Ihnen, Blockaden zu erkennen und mit Hilfe begleitender Silben, Vokale und Konsonanten zu lösen.

Seele

Die Stimmung beeinflusst die Stimme – und umgekehrt. Wie ein Instrument drückt sie aus, wie wir uns fühlen. Mit der anthroposophischen therapeutischen Sprachgestaltung lernen Sie neue Ausdrucksformen kennen und integrieren. Texte – aus der Literatur oder auch von Ihnen selbst – bieten viele Ausdrucksmöglichkeiten. Eindrücke verwandeln sich in Ausdruck; der Inhalt erschliesst sich in immer neuen Schichten. Wir begeben uns auf eine gemeinsame Entdeckungsreise mit dem Text, auf der Schreiben oder Verstehen nur die erste Station ist.


Wirkungsweise

atS ist eine aktive Therapieform, die Ihnen hilft, Ihr körperliches und seelisches Befinden selbständig zu verbessern, Ihre Bedürfnisse klarer zu vertreten, mehr Sie selbst zu sein. atS-Therapeut*innen kennen Sprechübungen und Texte dafür. Veränderungen an Atem, Stimme und Artikulation werden dabei immer mit Hilfe von Lauten, Worten und Sätzen bewirkt.

atS ist für Kinder und Erwachsene gleichermassen geeignet. Die Therapeut*innen stellen sich methodisch, therapeutisch und kommunikativ immer auf die Bedürfnisse ihres Gegenübers ein.

Sprechen fordert den Menschen auf vielen Ebenen heraus: Gedanken und Emotionen werden in Worte gefasst, Sätze werden konstruiert, wir können schreien, flüstern, klagen, plappern … Sprechen bedeutet immer, sich zu zeigen. Durch die atS kann die Individualität des Menschen gestärkt werden. So wird z.B. Einfluss genommen auf den Verlauf von psychosomatischen und psychischen Erkrankungen.

Mitmachen und ausprobieren

Geschichte

Zauber-, Heilungs- und Segenssprüche sind in vielen alten Kulturen bekannt und belegt. Sie können als erste therapeutische Anwendungen des gesprochenen Wortes gelten. Auch sind Übungen zur Verbesserung von Artikulation, Atmung, Stimme und Ausdruck mindestens seit der Antike bekannt. atS hat ihre Wurzeln in der von Rudolf und Marie Steiner entwickelten Sprachgestaltung. Sie suchten anfangs des 20. Jahrhunderts nach neuen Methoden und Techniken für Sprecher*innen und Schauspieler*innen. Die dabei entwickelten Übungen waren teilweise schon mit therapeutischen Hinweisen versehen. Die Zusammenarbeit zweier Frauen in der Schweiz steht am Anfang einer medizinisch-therapeutischen Anwendung der Sprachgestaltung: die Ärztin Ita Wegman arbeitete in ihrer Klinik in Arlesheim/CH mit der Sprachgestalterin Martha Hemsoth fünf Jahre zusammen, bis Martha Hemsoth 1936 an den Folgen eines tragischen Unfalls starb. Eine zweite Wurzel der therapeutischen Anwendung von Sprache liegt in der Waldorfpädagogik (Rudolf Steiner-Schule). In diesen Schulen wird seit der Gründung 1919 die Sprach- und Sprechkompetenz der Schülerinnen und Schüler durch Fachpersonen gefördert. Aus diesen Anfängen entstand seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die heutige atS als eigenständige Therapiemethode im Kontext der Drama- und Sprachtherapie (in der Schweiz und den Niederlanden) und der Anthroposophischen Medizin.

Rudolf Steiner
Martha Hemsoth
Ita Wegman
Marie Steiner